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21 Aug

Helfen - auch bei großer Gefahr

Alle zwei Monate reist Dr. Adnan Wahhoud in eine
Region, aus der andere fliehen:
Syrien. Insgesamt sechs »Medical Points« besucht erdann, verteilt Medikamente,dokumentiert Patientenzahlen,macht Fotos. Einer dieser Versorgungspunkte wird von einem Bad Nauheimer Verein finanziert.Dem Vorsitzenden Dr. Mustafa Janoudi, Oberarztan der Kerckhoff-Klinik,ist das noch nicht genug.
 

Alleine im Oktober konnten dank der Hilfe des Bad Nauheimer Vereins Olivetas 1998 verletzte oder kranke Syrer behandelt werden. 1479 davon waren Kinder, das sind 74 Prozent. »Ihnen fehlt es am Nötigsten, oft sind sie unterernährt, können sich nicht richtig entwickeln«, sagt Dr. Adnan Wahhoud. Er war gerade erst vor Ort, hat Medikamente verteilt, Gehälter bezahlt. »Medical Point Giessen« nennt sich der medizinische Versorgungspunkt im Dorf Fattiere nahe Idlib, den Olivetas finanziert. »Der Großteil unserer Mitglieder kommt aus Gießen, daher die Namensgebung«, erklärt Dr. Mustafa Janoudi. Der Oberarzt an der Kerckhoff-Klinik stammt selbst aus Syrien, er kam vor 13 Jahren von der Universität Damaskus nach Deutschland, um seine Facharztausbildung als Anästhesist zu machen. »Der Plan war, anschließend zurückzugehen. Aber das ging dann nicht mehr«, sagt Janoudi. Auch heute noch würde er am liebsten zurück, auch wenn er sich in Bad Nauheim wohlfühlt: »Heimat ist Heimat. Das wird sich niemals ändern.« Als 2011 der Bürgerkrieg in Syrien ausbrach, war Janoudi erschüttert, wollte etwas tun, um seinen Landsleuten zu helfen. Zwei Jahre später gründete er den Verein Olivetas, der es sich zum Ziel machte, syrischen Flüchtlingen zu helfen – vor Ort, auf ihrer Flucht und nach ihrer Ankunft in Deutschland.
Als er von dem Engagement von Dr. Adnan Wahhoud erfuhr, war für Janoudi klar: »Wir wollen helfen.« Die Idee, die sogenanntenMedical Points in Syrienaufzubauen, hatteWahhoud, als er einFlüchtlingslager an dertürkischen Grenze besuchte: »Dort gab espraktisch keine medizinische Versorgung, dahabe ich gedacht: Hier muss man was tun.«Zurück in seinem Wohnort Lindau am Bodenseesprach er eine befreundete Ärztin an,die sofort ihre Unterstützung zusagte. Gemeinsammit ihr reiste er mit Verbandsmaterial,Medikamenten und medizinischenHilfsmitteln zurück. Acht Tage lang versorgtedie deutsche Ärztin kranke und verwundeteMenschen. »Zwar konnten wir so vielenMenschen helfen, aber ich merkte schnell,dass das, was fehlt, etwas Dauerhaftes ist.«
 Wahhoud fand heraus, dass es über das ganzeLand verteilt verschiedene stillgelegteMedical Points gab – und seine Idee war geboren:»Ich wollte die vorhandenen Räumlichkeitenneu beleben, um den Menschenvor Ort eine medizinische Versorgung anbietenzu können.« Eines sei ihm dabeiwichtig gewesen: In den medizinischenVersorgungspunkten solltennur Fachkräfte aus Syrien angestelltwerden. Alle Ärzte, Apothekerund Pflegekräfte, die in den insgesamtsechs Medical Points, die Wahhoudinzwischen eröffnet hat, tätigsind, sind daher Einheimische:»Erstens schaffen wir so Arbeitsplätzeund zweitens ist das Vertrauender Syrer zu ihren Landsleutengrößer.« Auch die Medikamente, dieverteilt werden, stammen alleaus Syrien. »Das ist günstigerund die Menschen kennen dieMedikamente, können dieAufschrift und den Beipackzettellesen.«Mustafa Janoudi und AdnanWahhoud kennen sich schonseit über 20 Jahren. Von derIdee, die Medical Points neuzu beleben, war der Vorsitzendedes Vereins Olivetas vonAnfang an begeistert. Ende2013 klappte es schließlichdamit, einen vom Bad Nauheimer Verein finanziertenStützpunkt zu eröffnen. Doch Janoudiist das noch nicht genug: »Wenn wir esschaffen, genügend Spenden zu sammeln,würden wir gerne noch einen ›Medical PointBad Nauheim‹ eröffnen.« Aktuell seien siedabei, einen Plan zu entwickeln, wie das gelingenkönnte. »Wir müssten es schaffen, monatlicheSpenden von 2000 Euro zusammenzubekommen,dann könnten wir den Stützpunktschon bald eröffnen.«Dass Adnan Wahhoud überhaupt nach Syrieneinreisen kann, liegt daran, dass er alshumanitärer Helfer eingetragen ist. Angsthabe er schon, aber das spiele keine Rolle fürihn: »Viele fragen mich, warum ich nach Syrienfahre. Dann sage ich: Weil ich dieSchmerzen fühle, weil ich nicht denkenkann: Mir geht es hier gut und denen da untengeht es schlecht.« So lange er gesundsei, wolle er weitermachen,egal, wie riskant die Reise sei: »Natürlichist es hart, gefährlich auch.Aber für mich ist es genauso gefährlichwie für die sechs Millionen anderen,die noch dort leben.«Das Ziel, das Adnan Wahhoud,Mustafa Janoudi und die Mitgliedervon Olivetas verfolgen, ist es, den Syrernvor Ort zu helfen. »Die Menschenwollen nicht flüchten, sie wollenbleiben. Also sollten wir gemeinsamdaran arbeiten, ihnen das zu ermöglichen«, sagt Wahhoud.
 
 
Der Verein Olivetas
Seit drei Jahren existiert der Verein mit Sitz in Bad Nauheim, Vorsitzender ist der
Oberarzt Mustafa Janoudi. 30 eingetragene Mitglieder hat Olivetas zurzeit. Zweck des
Vereins ist, die Verständigung zwischen dem deutschen und dem syrischen Volk zu fördern
und sich für einen friedlichen Wandel in Syrien einzusetzen. Hilfsbedürftige Menschen,
die vor allem durch den Krieg in Not geraten sind, sollen unterstützt werden – sowohl vor Ort, als auch nach ihrer Flucht nach Deutschland. So bietet Olivetas beispielsweise
einen Runden Tisch und
Sprachkurse für geflüchtete Kinder an. Infos über den Verein gibt es im Internet
unter www.olivetas.org. Wer spenden oder Mitglied werden möchte, nimmt Kontakt
auf – entweder per E-Mail an
info@olivetas.org oder telefonisch unter
0 60 32/7 86 10 55.